Nixe Saala sitzt an der Saalequelle und gibt Jäger etwas zu trinken

Wie die Saale zu ihrem Namen kam

Der Name Saale, ist jedem geläufig. Aber die wenigsten wissen, wo er herkommt. Eine Sage, die vor allem in Oberfranken erzählt wird, gibt darüber Auskunft.

Vor sehr langer Zeit in den dichten Wäldern im Fichtelgebirge eine große Jagt stattgefunden. Dabei wurde ein Hirsch krankgeschossen. Für Nichtjäger: er wurde angeschossen und konnte fliehen. Bei der Verfolgung des Hirsches, verlor ein junger Jäger, der die Gegend nicht kannte, die Gruppe der anderen Jäger und verirrte sich im dichten Wald. Dazu muss man bedenken, damals gab es noch keine Wege und Steige im Wald, nur Dickichte, Felsspalten und dunkle Täler. So irrte er viele Tage ohne Pause in der wilden Natur umher, ohne auch nur eine menschliche Spur zu finden. Das macht natürlich der stärkste Körper nicht mit, so sank er bei der ersten Rast zu Boden und schlief ein.

Nach der ersten Tiefschlafphase kam er ins Träumen. Und weil sein Mund ganz trocken war, rief er im Schlaf: „Wasser, Wasser, ich brauche Wasser!“ Da erschien ihm plötzlich eine wunderschöne Quellnixe, die sofort Wasser aus einem kleinen Rinnsal, direkt neben ihm Wasser schöpfte. Sie reichte es ihm zum Trinken. Das Rinnsal muss er wohl in seiner Erschöpfung übersehen haben.

Die Saalenixe will keinen Dank

Nachdem er so viel getrunken hat, dass sein Durst nachließ, fragte er nach ihren Namen. „Ich heiße Saala“, antwortete die Nixe. „Du bist in meinem Reich“ erklärte sie weiter. „Alle tausend Jahre verirrt sich ein Mensch hier her. Und wenn ich ihn vor dem Verdursten retten kann, darf ich weitere tausend Jahre hier leben. Du brauchst mir also nicht danken, denn deinetwegen darf ich weiter auf der Erde bleiben“. Der Jäger überlegte, wie er dennoch seinen Dank über die Rettung ausdrücken konnte. Nach einer kurzen Bedenkzeit antwortete er: „Wenn du schon keinen Dank haben willst, kannst du mich doch nicht davon abbringen den kleinen Bach nach dir zu benennen. Er soll Saala heißen. Ich will an seinen beiden Ufern entlang gehen und jedem Menschen von deiner guten Tat erzählen. So wird deinen Namen bald jeder kennen und du wirst berühmt sein, für alle Zeit.“

Nachdem er die Worte gesprochen hatte, wachte er neben dem kleinen Bach auf. Und weil Jäger in der Regel ihre Versprechen halten, machte er sich auf den Weg. Der Bach wurde an jedem Tag seiner Wanderung breiter und führte mehr Wasser. Mit jedem Tag traf er auch mehr Menschen, denen er allen seine Geschichte erzählte. So bekam der bis dahin namenlose Fluss seinen Namen.

Die Sächsische Saale

Die Saale entspringt am Nordhang des Waldsteines, ein Berg im Fichtelgebirge. Ihre Quelle liegt 728 Meter über dem Meeresspiegel. Nachdem ein paar Kilometern durchfließt sie die erste Ortschaft, Markt Zell in der Nähe von Münchberg, im Süden des Landkreises Hof. Hier in Oberfranken wird die Saale noch als Sächsische Saale bezeichnet, obwohl kein Zentimeter der Saale durch Sachsen fließt. Die Leute in Franken wollen so eine mögliche Verwechslung vermeiden, denn in Unterfranken gibt es auch ein Saale, die Fränkische Saale. Die Bezeichnung Sächsische Saale geht dabei zurück auf die sächsischen Herzogtümer, Sachsen-Coburg, Sachsen-Weimar und Sachsen-Altenburg, durch die einst die Saale floss. Und auch, wenn aus die Herzogtümer längst im Freistaat Thüringen aufgegangen sind, hält sich der Name immer noch.

Die Sage wie die Saale zu ihrem Namen kam,ist vor allem in Oberfranken bekannt und es existieren, wie bei allen mündlich weiter gegebenen Erzählungen, verschiedene Varianten. So wird statt von der Nixe, von der Quellnixe, aber auch von der Quellnymphe gesprochen. Auch der Name variiert, so ist mal von der Nixe Saala aber auch von der Nixe Saale die Rede.

Der Name Saale war nicht der einzige für den Fluss

Der Name Saale war nicht immer der einzige Name, den man den Fluss gegeben hat. Zu Beginn ihrer Besiedelung hatten alle größeren Flüsse verschieden Namen. Denn die verschieden Stämme und Kulturen breiteten sich selten am ganzen Lauf eines Flusses aus. Und auch wenn sich Sprachen ähnelten, hatte man doch oft verschieden Bezeichnungen für Dinge des Lebens. Dazu kam noch, dass die Siedlungen weit auseinander lagen, so waren sie nicht immer miteinander verbunden. Für den Bereich der mittleren Saale, vermutet Professor Dr. em. Jürgen Udolph den Namen Janiā. Das bedeutet so viel wie bewegen oder gehen, was damals nicht ungewöhnlich für Flussnamen war. Überlebt hat sich diese Bezeichnung der Saale in den Namen Jena.

Der Name Saale hat dann diesen alten Name dann irgendwann verdrängt. Dabei kann man den Lauf des Jägers an der Saale entlang im übertragenen Sinne sehen: Ein Volk oder eine Kultur hat diesen Name benutz. Der kulturelle Einfluss von diesem Volk wuchs. Das kann passiert sein, weil das Volk eine höhere kulturelle Stufe hatte. Durch Handel breitete sich diese Kultur dann aus und beeinflusste seine Nachbarn am Fluss immer mehr. Schließlich wurden dann immer mehr Begriffe und Bezeichnungen dieser Kultur übernommen, in etwa so wie heute englische Begriffe ins Deutsch kommen. Auf diese Weiße hat sich dann auch der Flussname verbreitet.

Unsere Gewässernamen sind schon 3700 Jahre alt

Das System der alteuropäischen Gewässernamen muss schon in der zweiten Hälfte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends voll ausgebildet gewesen sein. Das vermutet Professor Dr. em. Jürgen Udolph in einem Vortrag, über die Sprache der Erbauer der Himmelsscheibe von Nebra.

So landen wir in der frühen mitteleuropäischen Bronzezeit. Also jener Zeit in der die Menschen schon sehr eng durch Handel verbunden waren. Das war nötig, um die nötigen Zutaten für die Herstellung von Bronze heranzuschaffen. Das waren Kupfer, Zinn und auch Holzkohle für den Schmelzvorgang. Diese Grundstoffe der Bronze konnten selten an einer Stelle gefördert werden, deshalb blühte in der Bronzezeit der Handel auf. Mit dem Handel kam auch der Austausch von Werkzeugen, Wissen und Kultur. Durch diesen starken Austausch brauchte man wiederum verbindliche geografische Bezeichnungen. Flüsse waren dabei nicht nur wichtige Wegmarken, sie waren auch wichtige Transportwege. Deswegen war es wichtig die Flüsse einheitlich zu benennen und zumindest allen Händlern mussten dieser Namen geläufig sein. Die Händler wiederum verbreiteten die Namen in den Regionen. So verfestigten sich die Namen der Flüsse und wurden von Generation zu Generation weitergegeben.

Der Name hielt sich trotz wechselnder Herren

Die Namen blieben erhalten, auch wenn die Herrschaft wechselte oder wenn sich neue Völker an den Flüssen ausbreiteten. Denn im Normalfall blieb immer ein Teil der ursprünglichen Bevölkerung zurück, die sich dann an die neue Kultur anpassten. So wurden die Gewässernamen immer wieder weitergegeben und nur etwas an die Sprache angepasst. Der ursprüngliche Name blieb aber in irgendeiner Form erhalten.

Gewässernamen mit Urindogermanischer Wurzel

Woher wissen wir das Heute? Linguisten verglichen die mitteleuropäischen Gewässernamen mit Namen in  anderen Regionen. Dabei erkannten sie Ähnlichkeiten mit Flüssen in Westeuropa, aber auch mit Flussnamen im Mittleren Osten und Indien. Die Benennung muss also auf eine Sprache zurückgehen, die dem ursprünglichen Indogermanischen sehr ähnlich gewesen ist. In der Zeit war das Indogermanische noch in Kentumsprachen in West-, Süd- und Mitteleuropa, sowie in Satemsprachen in Osteuropa, dem Mittleren Osten und Indien, aufgeteilt. Erst recht gab es noch keine Einzelsprachen wie etwa das Griechische oder das Persische.

Der Name Saale – Was bedeutet er?

Ganz einfach fließendes Gewässer, Fluss-Strömung oder bedeutender Wasserlauf. Die erste Erwähnung der Saale finden wir unter dem Namen Sala und Salu, in einem Fuldaer Urkundenbuch aus dem Jahr 777. Die meisten weiteren Erwähnungen folgen dann als Salam oder manchmal auch als Salawa. Die Amtsschreibung im Mittelalter hat dann wieder den Namen Sala oder Saala benutz, aus dem dann unser heutiger Name geworden ist.

Verweise

Autorenangabe, ohne. Markt Zell. kein Datum. http://www.markt-zell.de/index.php?id=855,45 (Zugriff am 29.06.2017).

Blöthner, Alexander. LandesChronika des Saale-, Orla- und Wisenta-Raumes. Plothen: Books on Demand, 2015.

Thüringen, MDR. MDR Thüringen – Das Radio. 27.04.2016. https://www.mdr.de/mdr-thueringen/jena-ortsname100.html (Zugriff am 07. 06 2019).

Udolph, Prof. Dr. em. Jürgen. https://3xprocyon.de/blog/. 2011. https://3xprocyon.de/blog/nebra-unstrut-und-saale-erhielten-schon-vor-3600-jahren-ihre-namen/ (Zugriff am 10. 06 2019).

Wikipedia. Wikipedia. 24. 5 2019. https://de.wikipedia.org/wiki/Saale (Zugriff am 10. 6 2019).

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